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Mieses Gedicht an miese Zwickmühle

Am Anfand warst du nur aus Worten,

Wir sprachen von Dingen, von Orten,

Von Leben, von Quatsch, von Alltag,

Was man hasst, liebt, akzeptiert und mag.

Du hattest viel Vergangenheit, ich viel Zukunft,

Zumindest viel vor, aber jetzt gibt’s die Vernunft,

„Mal sehen“ und „Vielleicht“ sag ich viel zu oft,

Hab mir Vieles auch viel knallender erhofft.

Vielleicht hab ich auch zu viel über den Knall gelesen,

Bei dir ist es mehr ein Summen gewesen,

Mal eher schräg, mal eher toll,

Man weiß nicht ob man hinhören soll.

Hätte ich es nicht getan wäre mir viel entgangen,

Mit einer der schönsten Nebensachen angefangen,

Auch Sturmaugen, Shaban und Käptn Peng,

Ninjakatzen und ein Unirundgang ohne Happy End.

Jeden Tag tauschten wir Sätze wie Pokémonkarten,

Leidenschaftlich, witzig, interessiert an Eigenarten,

So cool, denn ohne die wären wir nicht wir,

Ich hoffe, dass ich dich nicht an deinen Wandel

oder Zeitmangel verlier.

 

Das geheime Netzwerk der Natur

In Zeiten, in denen wir Menschen die Natur verteidigen sollten, da sie uns nicht mehr in die Schranken weisen kann wie früher, gibt es immer mehr Texte die sie erklären und uns näher bringen sollen. Kaum ein Mensch verbringt in unserem Stadtleben noch genug Zeit im Wald um die Sprache der Pflanzen und Tiere zu verstehen. Umso besser, dass es dann Bücher wie „Das geheime Netzwerk der Natur“ gibt, um uns zumindest in der Theorie die Grundbausteine beizubringen. Immer wenn es um Natur und Entwicklung geht, geht es auch um Philosophie. Wie auch nicht bei einem Thema, das so mit dem Leben verankert ist. Ein Mensch in meinem Leben kommt mir immer sofort in den Kopf, wenn es ums philosophieren geht: Mein Opa. Er hat schon viele seiner Gedanken und Geschichten aufgeschrieben und sogar in Bücher gefasst. Die will er nicht veröffentlichen, sie sind nur für die Familie oder die, mit denen er gemeinsam denken, diskutieren und sprechen will. Seit einer Weile hat ihn jetzt dieses Buch beschäftigt. Und diesmal wollte er nicht nur uns davon erzählen, was für Gedanken es ihn ihm ausgelöst hat, sondern auch dem Autor selber etwas davon zukommen lassen. Leider ist Herr Wohlleben aber selber lieber im Wald unterwegs als alle seine zahlreichen Mails von Lesern abzuarbeiten. (Das sei ihm auch gegönnt!) Deshalb soll aber der Brief von meinem Opa zumindest hier stehen. Los gehts!

Sehr geehrter Herr Wohlleben,

Ihre Ausführungen in „Das geheime Netzwerk der Natur“ habe ich mit begeisterter Zustimmung gelesen. Dadurch angeregt, gebe ich eigene Vorstellungen ergänzend zur Kenntnis.

Aus Ihren Darstellungen ist für mich kein Stillstand, sondern eine stetige Weiterentwicklung ablesbar. Mich hat der Satz „Bewahrung der Schöpfung“ schon immer irritiert. Denn die Schöpfung kann man nicht bewahren. Sie ist von „Natur aus dynamisch“. Und so wirkt sie auch auf unser Tun ein, auf unsere Entwicklung und weit darüber hinaus. Die Darstellung einer fortschreitenden Evolution sollte deshalb aus heutiger Sicht wie folgt aussehen:

….  Atome, Moleküle, Einzeller, Mehrzeller, Pflanzen, Tiere, Mensch, Gestell

Warum „Gestell“? Der Philosoph Martin Heidegger hat die Technik als Gestell bezeichnet. Die Welt verliere durch die Technik an Bezugsreichtum, das Seiende verkomme zum bloßen Rohstoff. Allerdings werde dem Menschen die gewandelte Weltauffassung zunächst nicht bewusst. Es werde technisch immer mehr  möglich. Die zentrale Rolle, in welcher sich der Mensch innerhalb des Weltgeschehens wähne, treibe ihn an, die technische Beherrschbarkeit und Verfügbarkeit immer noch weiter zu steigern.
So wird das Gestell, heute als „digitale Technologie“ definierbar, unaufhaltsam immer dominanter. Es hat sich als „selbständiges Wesen“ entwickelt, als neue Krone der Schöpfung.

Das Gestell, eine gefälligere Bezeichnung dafür ist mir leider nicht eingefallen, ist mit unseren Sinnen nicht als Ganzes erfassbar, wie etwa eine Pflanze, ein Tier oder wie ein Mensch. Wir versuchen uns unbewusst ein Bild von der Existenz des Gestells zu machen,  nehmen aber nur Teilbereiche wahr, wie zum Beispiel den Auto-, Bahn- und Luftverkehr, Maschinen, die wir zwar geschaffen haben, denen wir aber ausgesetzt sind, ohne sie voll und ganz beherrschen zu können. Auch Bauvorhaben können wir nicht immer wunschgemäß umsetzen.
Zudem werden wir mit den Problemen einer rasant wachsenden Digitalisierung konfrontiert.

Trotz allem fungieren wir als lebenserhaltende Kraft des Gestells, sind und fühlen uns als dessen Schöpfer. Und das mit Stolz. Aber sind wir auch dessen Beherrscher?
Wir befinden uns in der gleichen Lage wie die Zellen unseres Körpers. Jede unserer Körperzellen nimmt bestimmte Aufgaben wahr, alleine oder im Verbund mit anderen. Ohne ihre spezialisierte Aktivität würden wir nicht existieren. Man kann wohl davon ausgehen, dass unsere Zellen ebensowenig eine Vorstellung von unserem Körper, dem menschlichen Körper haben, wie „wir als Zellen des Gestells“ eine umfassende Vorstellung vom „Wesen des Gestells“ haben.

Alles in allem Vorgänge, die im Grunde auch auf alle anderen Bereiche der Schöpfung zutreffen.
Wir tun uns schon schwer, unser eigenes, das menschliche Dasein eindeutig zu definieren. Wir sind alle voneinander verschieden. Kein Mensch gleicht exakt dem anderen.
Übrigens gleicht auch kein Busch, kein Baum, kein Grashalm, kein Tier dem anderen.

Wir Menschen pflegen nicht nur Freundschaften, wir gehören unterschiedlichen Familien, Stämmen, Völkern und Kulturen an. Wir konkurrieren auch mit- und gegeneinander, können uns angiften bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Auch unsere Körperzellen verhalten sich vergleichbar nicht anders. Auch sie sind sich trotz höchster Spezialisierung nicht immer einig, gehen eigene Wege, bekämpfen sich untereinander. Dann fühlen wir uns unwohl, werden krank. Natürlich unternehmen wir etwas gegen Krankheiten, dominieren so unser Innenleben weitgehend selbst.
Wo wir uns aufhalten, wohin wir gehen, wie wir uns verhalten, wird dagegen nicht von innen heraus bestimmt. Das tun wir selbst.

Ebenso verfährt auch das Gestell mit uns. Wir bleiben, obwohl wir das Gestell „erschaffen“ haben, es ständig weiterentwickeln und unterhalten, seinen verkehrsbedingten, produktions-, oder datenbedingten Anforderungen untergeordnet.

In Ihrer Veröffentlichung beschreiben Sie anschaulich Probleme der Waldbewirtschaftung. Wir lieben den Wald, schätzen ihn als Urwald. Als Erholungssuchende greifen wir schon mal, wenn auch wenig verändernd, in das ursprüngliche Biotop ein. Erst die kommerzielle Nutzung, die Bewirtschaftung bewirkt nachhaltigere Veränderungen. Gefällte Bäume werden durch Schwerlastfahrzeuge abtransportiert, die durch ihr Gewicht das unterirdische Leben stören. Fachleute wissen das, sprechen darüber. Seit eh und je wird darüber diskutiert. Verändern tut sich nichts. Man könnte wieder Pferde einsetzen. Das aber würde durch das übergeordnete Gestell verhindert. Dieses wird als bislang letztes Glied der für uns im Guten wie im Bösen unaufhaltsam fortschreitenden Schöpfung dafür sorgen, dass immer größere und leistungsfähigere Fahrzeuge gebaut werden, für deren Einsatz auch der Ihrerseits beschriebene tiefzerfurchte Waldweg erhalten bleiben wird.

Wir Menschen dürfen eigentlich stolz sein auf unsere Leistungen, sind aber zunehmend verunsichert
So hat der bekannte Atomphysiker Werner Heisenberg schon früh erkannt, dass sich unserem rational logischen „wissenschaftlichen Denkvermögen“ von Natur aus Grenzen gesetzt sind. Grundprinzip schöpferischer Entwicklung sei deshalb nicht Planung, sondern „Entfaltung“.
Unser Vorstellungsvermögen sei nicht allein durch Logik, sondern durch Gefühle mitbestimmt.
Neben der gern zitierten „naturwissenschaftlichen Wahrheit“ gebe es auch die „religiöse Wahrheit“.

Das waren meine Gedanken nach der Lektüre Ihres Buches. Ich würde mich über Ihre Meinung hierzu freuen.

Schlechte Verbindung

Jeder hat doch einen Knacks. Dieser Satz fällt auch erstaunlich oft, wenn man Leute zu Beziehungsproblemen befragt. Aber die eigentliche Frage ist doch, woher kommt dieser Knacks? Ein Problem, dessen Herkunft man kennt, kann man auch besser in den Griff kriegen.

Tatsächlich liegt der Einstieg in den Teufelskreis der Bindungsprobleme meistens in der Kindheit und Jugend. In dieser Zeit des Lebens lernt man alles neu, sammelt die ersten Erfahrungen die einen prägen und ist umringt mit Vorbildern, denen man nacheifern möchte. Wenn diese aber fragwürdig sind, kann das schon ganz schön in die Hose gehen.

Wie genau, warum überhaupt und was man dagegen tun kann, sind ein paar der Fragen, die ich einer Kinder- und Jugendtherapeutin stellen konnte, um eine andere, vielleicht aufgeräumtere, Sichtweise auf die der Crux der Beziehungen zu bekommen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Bindungsprobleme?

Niemand wird mit einer Angst vor Beziehungen oder Nähe geboren. Wenn Menschen wie Papier wären, würden wir von unserer Geburt an beschrieben und bemalt werden. Meistens mit schönen Erinnerungen und bunten Farben.

Aber genauso leicht kriegen Blätter Risse und Eselsohren, wenn jemand rau mit ihnen umgeht. Das ist der Schmerz, den Kinder erfahren, wenn sie erleben wie sich ihre Eltern trennen, sie einen geliebten Menschen verlieren oder im schlimmsten Fall misshandelt werden, sei es nun seelisch oder körperlich. Das fängt schon bei einer Ohrfeige im Affekt an. Wie stark ein Mensch von solchen Ereignissen geprägt wird, hängt sehr mit dem Charakter und seiner Stabilität zusammen, die sogar im Erbgut schon labil sein kann. So kann man nie genau vorhersagen, wie ein Mensch sich wohl entwickeln wird.

Doch es gibt bestimmte Punkte, die oft die selbe Schwierigkeit bei verschiedenen Persönlichkeiten verursachen können: Die Bindungsprobleme.

So wird zum Beispiel ein Kind, das in Bedrängnis, umgeben von Streit und ohne genügend Freiraum aufwächst, zu einem Erwachsenen, der sich im Zweifelsfall lieber freistrampelt und um sich tritt, als einen Anderen in sein Leben, seine Wohnung oder gar in sein Herz zu lassen. Sogar eine kleine oder große Liebe kommt nicht immer dagegen an. Diese Verhaltensweisen sitzen tief. Das ist aber noch lange kein Grund kampflos aufzugeben. Es gibt immer Leute, die einem helfen können.

Wie weit kann Kinder- und Jugendtherapie Bindungsprobleme im Erwachsenenalter vermindern oder sogar verhindern?

Man findet in einer Therapie nicht unbedingt die existentiellen Antworten, um sich selbst zu ergründen. Viel mehr lernt man die richtigen Fragen zu stellen. Eine Therapie in der Jugend kann einen auch mal mehrere Jahre begleiten, in denen der Therapeut sich alles anhört, was man auf der Seele hat. Er hat die Fähigkeit an den richtigen Stellen nachzuhaken und zu hinterfragen. Beim beenden der Therapie ist der Knoten also noch nicht unbedingt geplatzt, doch man hat sich im besten Fall antrainiert das eigene Handeln gut zu reflektieren.

Außerdem lernt man sich einem anderen Menschen mit einer gewissen Ehrlichkeit und Selbstkritik anzuvertrauen.

Man muss nicht alles alleine erörtern und aufarbeiten. Angefangen mit einem Therapeuten, kann man das auch sehr gut auf seinen Partner übertragen.

Die eigenen Schwächen müssen so keine Kluft mehr zwischen zwei Menschen sein, sondern fördern vielleicht sogar noch das Vertrauen und die Nähe.

Kurz und knapp, man darf sich ruhig helfen lassen. Gerade Teenager und die, die es gerade hinter sich haben, neigen dazu, viel in sich hineinzufressen und in ihrem Selbstmitleid zu baden.

Der still vor sich hinleidende Typ ist out. Selbsthilfe ist angesagt.

Was kann man noch tun, um Problemen und Verhaltensweisen aus der Kindheit zu entkommen?

Nicht nur durch eine Therapie kann man schlechten Mustern entgegenarbeiten.

Schon Sigmund Freud sagte: „Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Körper.“

Vielleicht ist das aber sogar gut so. Man muss sich vielleicht nur einmal den „Herr der Ringe“ ansehen, um das Prinzip zu verstehen. Keines der Wesen, das je Besitzer des „Einen Ringes“ war, also der Macht, hatte ein allzu gutes Schicksal. Nein, die Macht tut nicht gut. Das Wissen darum allerdings schon. Gandalf, der weise alte Zauberer, der nicht einmal im Besitz des Ringes ist, leistet doch den entscheidenden Part zu der Befreiung von der bösen Kraft. Allein durch sein Wissen über die Materie und die Gabe, die beteiligten Personen zu verstehen, erlangt er die nötige Stärke.

Gerade wenn jemand merkt, wie er immer wieder in alte Muster verfällt und ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit mit sich trägt, sollte seine Mitmenschen beobachten und vor allem sich selbst. Oft ist das nächste Umfeld der perfekte Spiegel des eigenen Handelns. Sobald man sich Beweggründen und Zusammenhängen bewusst wird, ist der Weg geebnet, sie zu bereinigen.

Kann der Partner dem beziehungsunfähigen Menschen auch weiterhelfen?

Natürlich. Aber auf keinen Fall durch erzwungene Nähe, Anhänglichkeit und Kuschelseminare. Genau so etwas wird einen Menschen, der vor Bedrängnis flüchtet, noch viel weiter wegstoßen. Aber direkte Gespräche helfen.

Nichts weiter als das. Man muss das Problem erkennen, benennen und den Anderen spüren lassen, dass er nicht alleine damit ist. Damit beugt man zumindest einer Kurzschlussreaktion vor. Der Partner denkt nicht, er sei einfach gefühlskalt und muss wohl Schluss machen, man kann an den Problemen arbeiten. Das geht nur durch Kommunikation.

Auch bei einer Therapie oder Auseinandersetzungen mit der Familie, vielleicht dem Urheber der Probleme, kann man dem Partner natürlich zur Seite stehen.

Nur nicht aufdrängen. Da sein – das ist das beste Geschenk das man sich machen kann.

Es gibt den Spruch, der besagt, dass in einer Beziehung immer einer der Besiegte ist. Der, der mehr liebt. Da liegt der Irrtum. Oft machen Menschen den Fehler, sich selber zurückzuziehen, wenn sie merken, dass der Partner sich distanziert. Wenn man dem aber nun mit mehr Liebe entgegenkommen würde, wie viel einfacher würde das eine Krise wohl gestalten?

Das und der Austausch von Gedanken… Und man ist safe.

Bildquelle: POPSUGAR

Cool

Ted Bundy. Richard Kuklinski. Robert Yates. Wir kennen diese Namen aus den Crime Serien, die ab 22 Uhr nach dem Spielfilm laufen. Der Psychopath. Der Massenmörder in diesem Fall. Gefühlskalt und grausam entscheidet er über Leben und Tod des Opfers und Macht ist das einzige Empfinden, nach dem er ein Verlangen spürt. Sehr spannend. Und auch ziemlicher Unsinn. Der Psychopath ist genau so ein mit Vorurteilen und Klischees beladener Begriff wie der Russe, vor ein paar Jahrzehnten.

 

Das Wort besteht aus den griechischen Begriffen für Seele und Leid. Seelenleid ist schon etwas, das nicht mehr ganz so unheimlich klingt. In der forensischen Psychologie wird die Psychopathie als schwere Form der antisozialen Persönlichkeitsstörung verstanden.  Einem Menschen, der davon betroffen ist, fehlt die Empathie komplett, auch die soziale Verantwortung und das Gewissen sind verkümmert.

Nichts, was man sich als Eigenschaft bei sich, oder bei den Mitmenschen wünscht.

Allerdings ist die Anzahl der Psychopathen, die aufgrund des fehlenden Mitgefühls straffällig werden, wie die oben genannten Musterbeispiele, verschwindend gering.

Tatsächlich ist unsere Welt voll von Menschen mit dieser Störung. Wir sind ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon oft im Alltag begegnet. Nur fällt das selten auf.

Psychopathen lernen Emotionen und die angemessenen Reaktionen eines Menschen mit einer normalen Gefühlswelt perfekt zu imitieren. So perfekt manchmal, dass viele Betroffene sogar als besonders charmant, charismatisch und liebevoll von ihrem Umfeld angesehen werden.

 

Robert D. Hare ist ein kanadischer Kriminalpsychologe, der Vor allem durch seine Checkliste zur Psychopathie bekannt wurde. Auf dieser Liste findet man eine ganze Reihe an Verhaltensweisen und Eigenschaften, die diese Störung bei einem Menschen bewirkt. Vieles ist negativ belastet, doch man kann durchaus Dinge für sich herausziehen, die hilfreich sein könnten, wenn man selber vielleicht viel zu beladen ist, mit Gefühlen und Emotionen. Oft können die einem erfolgreicheren und einfacheren Leben nämlich ordentlich im Weg stehen.

 

Man kann sich also ruhig mal ganz unethisch mit dem Thema auseinandersetzen, die Pietät sein lassen und ernsthaft überlegen wo ein Psychopath dem Menschen, der sich normal schimpft, vielleicht überlegen sein könnte. Es kommt nämlich gar nicht selten vor, dass sich gerade sehr erfolgreiche Menschen als solche outen.

 

Also hangeln wir uns einfach mal an der Checkliste von Mister Hare entlang und überlegen, was wir vielleicht für unser eigenes Leben lernen könnten.

Trickreich sprachgewandter Blender mit Charme

Eloquent, eloquent, sprach der Elofant. Wortgewandte Menschen kamen schon immer gut durchs Leben. Sie können gutgläubigen Menschen den größten Unsinn als Gold verkaufen. Sogar wenn dieser Unsinn sie selber sind.

Sie sehen weder besonders gut aus, noch haben sie eine Stimme wie Adele oder Muskeln wie Schwarzenegger. Nein, der oben genannte Charme kommt von der Art wie man sich verkauft und präsentiert.

Genau das Verhalten also, bei dem der Normalo sich vermutlich wie ein Hochstapler vorkommen würde. Doch gerade in Situationen wie einem Flirt oder Bewerbungsgespräch kommt dem Menschen ein wenig Blenderei vielleicht sogar zu Gute. Zu viel ehrliche Bescheidenheit tut dem Bild das man abgibt nicht unbedingt gut.

Erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl

Und genau so kommt man zu all dem Charme und der glänzenden Selbstdarstellung. Nicht nur die Außenwelt muss glauben, dass man die Sterne vom Himmel holen kann, auch man selber. Ohne Moral und den Zwang sich selbst ständig reflektieren zu müssen, zaubert man auf einmal wahre Hulkfähigkeiten aus dem Hut. Sobald man an etwas glaubt, schafft man es tatsächlich auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Nur diese dumme Stimme im Kopf, die einem die Realität vorsingt, hält den Hulk-Ballon am Boden.

Mangel an Gewissensbissen

…Kann ja in so vielen Situationen hilfreich sein. Um Mitternacht den Kühlschrank geplündert? Eine Notlüge um auf Arbeit blau zu machen? Mit einem falschen Schnurrbart noch einmal am Probierstand im Supermarkt vorbeigeschlichen um Käse abzustauben? So viele Dinge die das Leben schöner und Dich glücklicher machen. Ohne den Ballast der schlaflosen Nächte, in denen das Gewissen einen plagt, ist der Genuss von dem neuen Light Käseprodukt auf einmal doppelt so leicht.

Stimulationsbedürfnis und ständiges Gefühl der Langeweile

Nach einem Tag voller Arbeit, Hausputz und dem Wocheneinkauf ist der

0815-Mensch komplett ausgelastet. Langeweile ist ein Luxusproblem, denn die Gedanken um all die Probleme und Sorgen des Tages kreisen fröhlich weiter. Wenn diese Sorgen allerdings ausbleiben und man sich um sich selbst kümmert, bleibt eine leere Fläche, die bemalt werden muss. Wie man sich stimuliert, ist natürlich völlig individuell. Aber die Abendstunden nicht mit dem Tatort zu füllen, nur um den Kopf frei zu kriegen, kann das Leben um einiges reicher machen.

Unzureichende Verhaltenskontrolle

Böse Verhaltenskontrolle. Sie verhindert einiges an Spaß. Wie oft greift der Betroffene nicht nach den verbotenen Früchten, die er eigentlich will? So viele Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben unter einer Krise, die durch tausend verpasste Chancen in der Vergangenheit zustande kommt? Wer nicht durch emotionale und kulturelle Blockaden gehemmt ist, lebt sich vermutlich um einiges besser aus. Stellen wir uns nur mal vor, ein Psychopath hätte „Eat Pray Love“ geschrieben.

Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen

Das erste was man nach dem Abitur hört: „Bewirb dich am besten schon gestern, aber bloß nicht bei den Kreativen, das ist brotlos.“

Es ist kein Wunder, dass die meisten geouteten Psychopathen karrieremäßig sehr weit vorne liegen.

Wenn man tatsächlich kurzfristigere Ziele vor Augen hat, die dem entsprechen, was man kann und gerne tut, kommt der Erfolg oft leichter. Denn immer  wenn der Mensch tut, was er liebt, kommt etwas Gutes dabei raus. Obwohl das Wort „Liebe“ in dem Kontext vielleicht unpassend ist, auch Psychopathen verspüren für viele Dinge unwahrscheinlich hohe Motivationen. Dieses Gefühl kann man wohl am Besten mit der Liebe vergleichen.

Viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen

Ja, Psychopathen haben Beziehungen. Körperliches Verlangen kennen sie und das menschliche Bedürfnis nach Nähe und Zweisamkeit ist auch in ihnen tief verwurzelt. Nur nicht verknüpft mit ganz so vielen Emotionen.

Menschen sollten viel mehr lieben. Gerade kurze, aber eben doch sehr intensive Beziehungen sind leider sehr selten. Viele füllen ihre Singlephasen mit bedeutungslosen One Night Stands. Liebe zu schenken oder sich auf einen Menschen einzulassen, auch wenn am Ende der Geschichte nicht unbedingt der Ehevertrag winkt, ist wagemutig aber erfüllend.

Natürlich waren das nicht alle Punkte auf der Checkliste für Psychopathie. Und alle Punkte sind hier ausschließlich positiv beleuchtet. Da die Gegensichtweise auf Psychopathen und diese Eigenschaften aber ziemlich gängig ist, kann es auch so rum mal interessant sein. Die Störung selber soll hier nicht verharmlost werden, nur ein mit einem Lächeln betrachtet werden. Wir sind umgeben mit psychischen Krankheiten, sie sind völlig natürlich. Warum also nicht vergleichen und von einander abschauen? Genau so leben auch die Psychopathen. Sie imitieren Emotionen und kommen so meist sehr gut durchs Leben. Umgedreht könnte das vielleicht auch ein paar spannende, neue Erfahrungen geben.

 

Bildquelle: Mental Floss

 

 

Spaß mit Depressionen

Kein Schwein ruft mich an.

Ein Zustand, der schleunigst geändert werden muss. Das ist leider ein häufiges Problem, das chronisches Glück, gepaart mit einem sorgenfreien Leben, mit sich bringt. Die Zuwendung, die einem durch eine ordentliche Krise zuteil wird, fehlt. Also was tun, wenn alles so gut läuft, dass sich Freunde und Familie keine Sorgen mehr um einen machen?

Ganz klar, es ist Zeit für eine Depression.

 

Aber keine der Depressionen, wie sie im Lexikon der Psychologie zu finden sind. Still vor sich hinleiden lässt einen Menschen zwar Trost bei Schokolade, dem Fernseher oder im Bad in Selbstmitleid finden, sicher aber nicht zeitnah bei den nahestehenden Menschen. Also lieber eine Depression, die sich vor allem durch laute Seufzer, theatralische Blicke in die Ferne, vorgetäuschte Wehwehchen und ein vehementes Ablehnen von jedem klärenden Gespräch äußern. Nichts macht Freunde wahnsinniger, als nicht an den Leidenden heranzukommen. Die sorgenvollen Gespräche und Mutmaßungen über das Leben des depressiven Freundes in seiner Abwesenheit sind die besten Garanten dafür, der Star auf jeder Party zu sein, selbst wenn er nicht erscheint.

Diese Art der Aufmerksamkeit befriedigt aber noch nicht direkt und aufbauend genug.

 

Um bloß nicht aus der richtigen Stimmung, die für die nächsten Schritte erforderlich ist, zu fallen, ist Arthur Schopenhauer als Lektüre bestens geeignet. Um nur ein Beispiel seiner lebensfrohen Äußerungen zu nennen, hier ein Zitat von ihm:

 

Es ist wirklich unglaublich, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen betrachtet, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken.

(Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819)

 

Das sollte für einen zutiefst betrübten Post auf Facebook oder Twitter ausreichen, um eine noch breitere Masse an Bekannten betroffen zu machen. Wenn Schopenhauer dann doch zu heftig für die Follower der eigenen Seite ist, tut es sicher auch ein Zitat von Rammstein oder Adele. Nichts gibt einem mehr Genugtuung als 36 Likes und 5 Fragen, was denn los sei, in den Kommentaren.

Natürlich antwortet man mit der strikten Verweigerung der Information, ja, so schrecklich muss der Grund sein.

Soziale Netzwerke sind das perfekte Werkzeug zur Verbreitung von kollektivem Mitleid.

 

Besonders gut geeignet für Treuebekenntnisse zu der großen Liebe des Lebens, der Familienpackung Eis, vor den vor Mitleid schmelzenden Followern, sind der Valentinstag und Weihnachten. Die Betonung muss stets auf der Ungerechtigkeit des Lebens liegen, die einen diese Kuscheltage alleine fristen lässt.

Vielleicht staubt man so sogar noch ein paar Komplimente für seine schlanke Linie ab, die durch Suppenkellenweise verspeistes Eis sicher keinen Schaden findet.

 

Für die Menschen, die nicht so internetaffin sind, ist die nächste Party im Freundeskreis der Angriffspunkt.

Selbst wenn man nur 3 Mal am Sektglas genippt hat. Ein ordentlicher Alkoholrausch ist immer ein Anlass für verantwortungsvolle Freunde, sich um das Opfer der eigenen Schwäche zu kümmern. Also muss man einfach so oft und unsubtil wie möglich erwähnen, wie dicht man doch schon ist. Am besten noch eine Kreislaufschwäche vortäuschen und schon sitzt man mit einer lieben Seele draußen auf der Gartenbank, redet über das Leben und Gott und die Welt. So verpasst man wenigstens gemeinsam das rauschende Fest.

Beistand ist auch eine sehr heilsame Methode gegen den Weltschmerz den das fehlen der Aufmerksamkeit der Umwelt verursacht.

 

Wenn alle diese Tipps ausprobiert wurden und das unzufriedene Gefühl doch nicht verschwinden will, ist es vermutlich Zeit, zurück zur Ausgangsglücklichkeit zu kehren.

Die ist vielleicht leiser und bescheidener als die Depressionszufriedenheit, aber sicher besser als nichts.

 

Bildquelle: Etsy