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Valerian, Wonder Woman und der Feminismus

Vorsicht, Spoiler!

„Wenn eine Frau zur Realität durchdringt, lernt sie ihren Zorn kennen, und das heißt, sie ist bereit zu handeln.“
-Mary Daly, radikalfeministische amerikanische Philosophin und Schriftstellerin-

Dieses Zitat kommt zwar ein bisschen reißerisch daher, ist aber ein guter Anfang für meinen Vergleich.

Ich habe vor einer Weile den neuen „Wonder Woman“ Film von DC gesehen. ( Trailer ) Meine Freundin, die sich sehr viel mit dem Feminismus der heutigen Zeit beschäftigt, war dabei und wir waren uns in unserer Meinung eigentlich sehr einig. Der Film hat schon im Vorhinein jede Menge Lob für seine Badass – Protagonistin, die feministisch anmutende Handlung und die Einzigartigkeit im ansonsten eher männlich dominierten DC Universum bekommen. Also waren unsere Erwartungen auch dementsprechend – und wurden definitiv nicht erfüllt.
Warum das so war, werde ich gleich im Vergleich mit Valerian erzählen. Zuerst stelle ich aber auch kurz Film Nummer 2 vor:

Nach „Das 5. Element“ hat Luc Besson lange gebraucht, bis er die technischen Mittel hatte, um sein eigentliches Herzensprojekt, nämlich „Valerian“ ( Trailer ) zu realisieren. Viele Designelemente kommen Fans des Vorgängers deshalb vielleicht auch schon bekannt vor. Dazu kann man auch einige Parallelen zu Star Wars ziehen, denn die Comicreihe „Valérian et Laureline“, auf der Bessons neuer Film basiert, hat auch schon George Lucas zu seiner Sternenkrieg-Reihe inspiriert.

Die Story von „Valerian“ ist im Grundgerüst simpel: Das Agentenpaar Valerian und Laureline ist immer dann gefragt, wenn es um Recht und Ordnung im gesamten Universum geht. Ihre Aufgabe im Film besteht darin, die Stadt Alpha, die sämtliche Technologie und das vereinte Wissen verschiedener Spezies beheimatet, vor einer verborgenen, zerstörerischen Kraft zu beschützen.

Auch in „Wonder Woman“ geht es darum, dass die Amazonenprinzessin und ausgebildete Kriegerin Diana, ihr Inselparadies verlässt, um den Ersten Weltkrieg zu verhindern. Von diesem Krieg erfährt sie durch den amerikanischen Piloten Steve, der auf der Flucht an ihrem Eiland strandet. Sie vermutet den Kriegsgott Ares hinter all dem Unheil in der Welt der Menschen.

Da sind wir auch schon beim ersten Punkt im Thema Feminismus. Diana lebt auf ihrer paradiesischen Insel, hat keine Ahnung vom Treiben der Welt und ist fast schon naiv. Sie lernt zwar wahnsinnig gut kämpfen, womit alle Kritiker dann besänftigt werden, doch wird sie ja eigentlich immer nur beschützt und klein gehalten. Auch als dann der der Bruchpilot Steve auftaucht und ihr von den Schrecken des Krieges und den menschlichen Abgründen, die ihn verursachen, erzählt, baut sie sich alles passend zu ihrem Weltbild. Es muss der Kriegsgott sein, der all die armen, unschuldigen Menschen so leiden lässt. Eine komplexere Denkweise, also nicht komplett schwarz oder weiß, gut oder böse, wird ihr nicht zugerechnet. Auch Steve gibt sein Bestes, sie von der nötigen Diplomatie zu überzeugen. Doch Diana ist wie besessen von ihrem Plan, Ares zu finden. Jedes logische Argument prallt von ihr ab. Da wir im Superhelden-Universum sind, liegt es nahe, dass alles einen übermenschlichen Ursprung hat. Aber wenn man ein so reales Thema wie den Ersten Weltkrieg hernimmt und eine starke Frauenrolle etablieren will, sollte man einen guten Mittelweg finden und ihr ein bisschen Lernfähigkeit verleihen.

In unserer Welt fehlen gerade die Frauen in den diplomatischen, politischen, wissenschaftlichen oder kreativen Rollen. Wobei wir dabei in Deutschland noch ein gutes Los gezogen haben. Trotzdem ist Diana einmal mehr eine Frau in der Filmindustrie, die sich von einem Mann die Gesellschaft erklären lassen muss. Dazu gibt es passend einen relativ neuen Begriff: „Mansplaining“ ( Definition ). Wäre Steve hierbei die Frau und Diana der Mann, wäre das vielleicht mal eine Revolution im feministischen Kino gewesen.

In „Valerian“ läuft das ganze ein bisschen anders. Von Anfang an wird Laureline genau so kompetent wie ihr Partner dargestellt. Beiden muss man die Welt nicht erklären, sie reagieren und diskutieren die Lage schnell… Wie es sich für gute Agenten auch gehört. Im Gegenteil, sie entscheidet autonom und ist sich, wenn nötig, auch für eine Rettungsaktion mit anschließenden Schuldgefühlen für Valerian nicht zu schade. Im Showdown ist auch sie diejenige, die politisch und nachhaltig handeln will und ihren Partner überzeugen kann, einem Auftrag nicht blind zu folgen. Vor allem nicht, wenn er dem Wohl einer ganzen Spezies schadet. So komplexe Gedankengänge wie Gesellschaftsstruktur gegen eigenes Rechtsempfinden werden Wonder Woman zu keiner Zeit zugerechnet.

Auch an das Thema Beziehung gehen beide Filme sehr unterschiedlich heran. Laureline und Valerian sind zu Beginn des Films schon ein Paar. Und es tut so gut, nicht zum gefühlt 100000. Mal zu sehen, wie sich die beiden Helden langsam verlieben und am Ende natürlich dieser eine Kuss zum Schluss wartet. Nein, man sieht wie 2 unterschiedliche Charaktere während dem ganzen Stress ihrer Aufgabe irgendwie miteinander zurechtkommen müssen. Valerian, der intelligente Frauenheld und Laureline, die widerspenstige Powerfrau. Er will sie heiraten – Sie sagt nicht ja. Aber zum Glück nicht nur, weil sie glaubt er habe sich die Hörner noch nicht genug abgestoßen. Sie sagt erst ja, als er bewiesen hat, dass er fähig ist an das Gemeinwohl und die Menschlichkeit zu denken.

Also keine Frau, die einfach nur geliebt werden will. Eine Frau, die einen Partner will, der ihr Weltbild teilt und mit dem sie auf einer Ebene ist. Applaus!

Und dann ist da wieder Diana. Immer wieder beeindruckt Wonder Woman Steve zwar mit ihren Kampf-Moves, aber trotzdem ist auch sie diejenige, die auf dem Schlachtfeld immer wieder vor Gefühl zerfließt und die Kranken und Kinder bemitleidet. Das ist zwar eine legitime Reaktion auf die Leiden des Krieges, hat aber zu sehr den Beigeschmack der Krankenschwester, nicht der Kämpferin oder Strategin. Noch mehr Gefühl entwickelt sie dann (natürlich) für Steve. Diese Romanze wird natürlich in einer Szene reingequetscht und dann als Grund genommen, aus dem sie wieder an das Gute in den Menschen glaubt. Sie lernt nicht, die Zwischenstufen der menschlichen Psyche zu akzeptieren sondern wird traditionell durch die Liebe bekehrt. Und während sie planmäßig Ares besiegt und laut Filmlogik so den Frieden sichert, opfert sich der einfache Pilot für viele Menschenleben auf. Er sprengt sich mit einer Bombe, die er gerade noch rechtzeitig von den Menschen entfernt, in die Luft.

Mir ist es am Ende des Films schwergefallen Diana als die Heldin zu sehen, die diese Geschichte zum Happy End gebracht hat. Ganz im Gegensatz zu meinen Erwartungen. Und ganz im Gegensatz zu Laureline in „Valerian“.

 

 

Kräftskiva! Ein schwedisches Fest

 

Und Prost!

 

Die Schweden wissen wie man feiert! Und im Sommer liefern sie uns neben dem eher bekannten Mittsommerfest (Midsommar), die Kräftskiva – Das Flusskrebsfest. Dieses Fest bietet viele lustige Traditionen, gutes Essen, allem voran natürlich frische Flusskrebse und ausgelassene Partystimmung im Grünen.

Da ist zum Beispiel Wikingerschach. Nicht ganz so blutig wie es sich anhört – man muss in 2 Teams nur mit Hölzern verschiedene Klötze abwerfen – Aber die Strafe für das Verliererteam ist sicher so grausam, wie es den Wikingern gebührt. Man muss ein Stück von dem berüchtigten Surströmming, DEM schwedischen Ekelfisch, herunterwürgen.(Für die, die es wissen wollen: Surströmming Challenge)

 

Aber hier ein Tipp aus Erfahrung: Niemals in der Nähe stehen, wenn die Dose geöffnet wird. Es kann anscheinend ein ganz schöner Druck darin entstehen und eine gute Freundin von mir wurde direkt mit einer Fontäne Fischwasser übergossen. „Eau de Surströmming“ in Dreads kommt an einem heißen Sommertag nicht so gut…

Abgesehen von den obligatorischen Flusskrebsen gibt es natürlich auch Alkohol und Trinklieder. Wenn man in Deutschland feiert sorgt die Aussprache der schwedischen Kracher natürlich nochmal für doppelten Spaß. Auch das Tanzen und Flirten wird niemals vernachlässigt.

 

Ich habe das Glück einen Schweden in meinem Bekanntenkreis zu haben, der uns deutschen Grill-Hypern diese Form von Sommerhuldigung auf dem Silbertablett geliefert hat. Aber auch jedem anderen ohne schwedischen Bezug, kann ich Kräftskiva nur sehr weiterempfehlen!

Ein cooles Motto, rote Kostüme, außergewöhnliches Essen, viele Dekoideen (Ikea-Taschen in den Bäumen, Krebsgirlanden…) und einfach ein super Anlass alle Lieben mal wieder in einem Park zu versammeln. Was will man mehr?

Deko ist das A und O

Kräftskiva – Der Grund für das Flusskrebsfest

 

 

 

 

 

 

 

Ein schwedisches Festmahl

Steampunk Picknick in Ludwigsburg

In Ludwigsburg gibt es viele kleine Wunder. Einmal ist da die Rock Fabrik, in der die Metalfamilie sich zusammen die Seele aus dem Leib tanzen kann. Dann gibt es da noch den Märchengarten, wo kleine Kinder sich schon lange fragen, wann die arme Rapunzel endlich ihr Haar nicht mehr herunterlassen muss, wenn man schreit. Und jetzt, beim Schloss Monrepos, hat sich ein kleines Steampunkwunder ergeben.

Bei (zum Glück) traumhaftem Wetter haben sich alle möglichen Cosplayer, Verrückte, Steampunker, Fotografen und Interessierte im Schlosspark am See getroffen und ein großes Picknick veranstaltet. Die Ideen und die Kreativität  waren einfach unglaublich… Von dampfenden Hüten, rostigen, zahnradbetriebenen Pumpguns, Kinderwägen mit Flügelmodellen bis zu den verrücktesten Kostümen und Make Ups war alles dabei. Und die Stimmung ist einfach immer genial, wenn offene Menschen aufeinander treffen.

…Wirklich jeder konnte strahlen und den Tag dort komplett genießen.

So ein Steampunktreffen gibt es im Sommer fast monatlich an verschiedenen idyllischen Orten um Stuttgart herum. Jedem, der sich selber gerne in Schale wirft oder Anderen dabei zusieht, kann ich so ein Picknick wärmstens empfehlen! 🙂

 

Kino Review: Money Monster

Zuerst einmal: Ich finde es unglaublich cool, dass Jodie Foster nach vielen Jahren als Schauspielerin Regie führt. Muss verrückt sein, auf einmal auf der anderen Seite zu stehen. Aber wer, wenn nicht sie, könnte das? Sie ist gebildet, energiegeladen und das typische Bild einer starken Frau. (So viel zu meinem kleinen „Fangirl Ausbruch“)

Money Monster war der erste Film, den ich von ihr gesehen habe. Er soll eine Kritik an der Finanzwelt, den Medien…oder gleich dem Großkapitalismus (?) sein. Ob er das auch schafft ist die Frage.

Lee Gates (George Clooney) moderiert ein Börsenmagazin, in dem er seinen Zuschauern Tipps gibt, wie sie ihr Geld vermehren können. Und das auf eine sehr amüsante und überzogene Art. Er macht zum Beispiel gerne von glitzernden Boxerkostümen und vollbusigen Nummerngirls Gebrauch wenn eine Aktie durch die Decke geht. Allerdings dreht sich der Film ausgerechnet um das Negativbeispiel. Lee empfiehlt die Aktie des Hochfrequenzhändlers Ibis. Durch einen Fehler im System der Firma kommt es zu einem Kurssturz und Haufenweise Menschen verlieren ihr Geld. Darunter auch LKW Fahrer Kyle Budwell (Jack O´Connell). Der vom Leben nicht besonders geschonte Mann beschließt, mit einer Pistole bewaffnet die Live Sendung zu Stürmen und für „Gerechtigkeit“ zu sorgen. Er hängt Lee eine Sprengstoffweste um, deren Auslöser er nur loslassen muss, um das ganze Studio in die Luft zu sprengen. Und er droht Lee zu erschießen, falls die Live Übertragung gestoppt wird. Währenddessen versucht die Regisseurin Patty Fenn (Julia Roberts) im Hintergrund eine Panik zu verhindern und die Situation zu kontrollieren. Sie ist die Einzige, die noch mit dem Moderator mit dem Knopf im Ohr kommunizieren kann, ohne dass Kyle es hört. So spielt sich vor den Augen der Zuschauer aus aller Welt eine Mischung aus Kammerspiel und großer Kapitalisten – Entlarvung ab, denn der Geiselnehmer prangert nicht nur Lee wegen seinen falschen Empfehlungen an. Er möchte eine Stellungnahme von Ibis, wie so ein Sturz überhaupt möglich sei. Als genau das jedoch niemand so recht zu wissen scheint, geht der Spaß erst so richtig los.

So viel zum Inhalt. Das Problem ist: Mediensatire und Kritik an der Finanzwelt gab es schon sehr oft. Also was macht dieser Film anders oder besser?

Zuerst einmal kann man die schauspielerische Leistung der Hauptcharaktere loben. George Clooney schafft es eigentlich immer (und egal wie verwerflich der Charakter auch ist) einen gewissen Charme einzubringen. Auch Julia Roberts ist wie immer einfach bezaubernd. Ich habe sie lange nicht mehr in einer größeren Produktion außerhalb der romantischen Filme gesehen, das hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Aber beide Filmlegenden wurden gnadenlos von Jack O´Connell an die Wand gespielt. Obwohl ja eigentlich sein Charakter in die Ecke gedrängt wird.

Und genau das ist gleichzeitig auch die größte Stärke des Films. Die Rolle von Kyle Budwell lässt einen mitfühlen, erregt Unwohlsein, Antipathie, den einen oder anderen peinlichen Moment und vor allem Identifikation. Ich denke jeder, der mit mir im Kino saß, konnte die Machtlosigkeit und Wut gegenüber den Großen und Reichen nur zu gut nachvollziehen.

Leider macht sich der Film seine eigentliche Stärke an vielen Stellen zur Schwäche. Dass der böse Konzernchef an den Pranger gestellt wird, ist wirklich nichts Neues und auch etwas vereinfacht. Aber es schadet der Moral und dem Gesamteindruck der Situation nicht. Die Rolle von Lee Gates aber tut es. Er ist der, der den Menschen durch seine dreiste Manipulation dazu bewegt den Falschen das hart verdiente Vermögen anzuvertrauen. Er ist der, der sein Fernsehteam terrorisiert und ein kindischer, egoistischer Mistkerl ist. Er ist der, der nur weil er eine Sprengstoffweste trägt auf einmal moralisch denkt. Da ist keine positive Entwicklung in George Clooneys Charakter zu vermerken. Und genau deshalb finde ich es seltsam, dass Foster Gates´ Rolle an einen so gutaussehenden Schauspieler, der einfach nicht nicht sympathisch sein kann, vergeben hat.

Vorsicht Spoiler: Wenn am Ende der Böse Konzern seine Schuld öffentlich gestanden hat, sich Kyles Schicksal gelöst hat und das ganze Rätsel des verschwundenen Vermögens gelöst hat bleibt Lee Gates komplett unbehelligt. Im Gegenteil. Er hat das Herz der (unheimlich taffen und smarten) Patty gewonnen. Gerade die Frau, die als Einzige seinen Charakter in Frage gestellt hat bevor er so viele Menschen in die Misere gebracht hat schmilzt nach seiner Odyssee auf einmal vor ihm dahin.

Besonders bitter stößt mir das in der Endseqenz auf. Wenn Clooney und Roberts mit chinesischem Essen auf dem Sofa sitzen, die Nachrichten über die eigenen Heldentaten anschauen und sich schon über ihre nächste Sendung unterhalten wird die Konsequenzlosigkeit für diesen Vollidioten klar. Und im Abspann würde auf einmal „Pretty Woman“ besser in den Soundtrack passen… Denn sie haben sich ja gefunden. Juhu.

Leider ist der Film daher nur in der ersten Hälfte ein interessantes Gedankenexperiment. In der zweiten Hälfte ist er eine ganz gewöhnliche Abenteuergeschichte, in der sich am Ende alles in Wohlgefallen löst. Spaß macht er trotzdem und er bringt an vielen Stellen auch Originelle Wendungen ein. Nicht weltverändernd aber vielleicht abendverbessernd.